Die Not der Gebäudebrüter – wo sind die Spatzen geblieben?

Beim Sanieren der Dächer gehen heutzutage unendlich viele Nistplätze von Vögeln verloren, die seit Jahrhunderten darauf geprägt sind, ihre Jungen in Nestern unter den Dachziegeln aufzuziehen (Gebäudebrüter!). Ebenso haben viele Fledermausarten ihre Quartiere an Gebäuden, kleine Quartiere in Spalten für einzelne Männchen und größere Quartiere, die sogar als Wochenstuben genutzt wurden. Auch unter Attiken fanden viele Mauersegler und Fledermäuse Nischen für die Aufzucht ihrer Jungen. Bis vor 10/15 Jahren boten Dächer viele Nistmöglichkeiten (Siehe “Natürliche Nistplätze), heutzutage werden sie hermetisch abgeschlossen (Bild 1 und 2)

??????????????????? OLYMPUS DIGITAL CAMERA und so verlieren alle Gebäudebrüter die Möglichkeit zur Reproduktion, denn alle Gebäudebrüter sind extrem standorttreu, sie vererben ihre Nester über Generationen. Nimmt man ihnen die Nistplätze, können sie sich nicht vermehren – jeder einzelne Vogel hat nur ein kurzes Leben, Folge: ihre Bestände sinken dramatisch!

Viele Leute denken, in ihrem Garten “wohnen” die Spatzen in den Büschen oder im Efeu. Das ist leider ein fataler Irrtum: sie lärmen und schwatzen in den Büschen, aber vermehren tun sie sich in Gebäudenischen! Meistens unter den Ziegeln über der Dachrinne oder am Ortgang.

Zu den Gebäudebrütern zählen: Mauersegler, Haussperlinge (Spatzen), Hausrotschwänzchen, sowie Dohlen und Schleiereulen, die größere Nischen unter den Dächern bewohnten.  Die Nistplätze all dieser Vögel sind gesetzlich geschützt durch Nationales Recht und Europarecht! Es gilt also, bei Sanierungen die vernichteten Nistplätze zu ersetzen, damit die Vögel wieder brüten können! Wenn man es richtig macht, werden die neuen Nistplätze schnell wieder angenommen.

Selbstverständlich kann man auch versuchen, diesen Vogelarten ein neues Heim zu bieten, auch wenn sie bisher noch nicht am Haus nisteten. Bei der Planung eines neuen Hauses oder dem Umbau des Dachgeschosses kann man leicht Nistkästen einbauen oder Hohlräume in der Dachkonstrution nutzen, um neue Nistplätze für Gebäudebrüter zu schaffen. Es dauert ein bis mehrere Jahre, bis solche neuen Nistmöglichkeiten entdeckt werden. Sie sind auf jeden Fall eine Investition in die Zukunft unserer Stadtnatur!

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Gebäudebrüter gehören zu unserer Stadtnatur und erfüllen wichtige Funktionen im ökologischen Zusammenhang! Ihre Zukunft entscheidet sich jetzt, da allerorten saniert wird! Durch Nistkästen am Haus sind keinerlei Nachteile zu befürchten, es gibt nur Vorteile! Sie bieten sie uns viel Nützliches: Mauersegler sind sehr effektive Mückenfänger, wie die Schwalben, sie fangen Unmengen an Mücken, Fliegen, Blattläusen, auch geflügelte Ameisen – je nach Angebot. Spatzen bringen uns den großen Vorteil, dass sie nebenbei auch alles Gekrümel aufpicken, das die Menschen draußen liegen lassen: Gebäckkrümel, Chipsreste, Alles, was beim Grillen übrigbleibt: die Spatzen holen es flott weg und dann finden verwilderte Stadttauben und Ratten keinen gedeckten Tisch vor.

Alles, was oben zu den Gebäudebrütern geschrieben steht, gilt genauso für die gebäudebewohnenden Fledermausarten! Sie stehen ebenfalls unter strengem und besonderem Schutz! Sie verlieren unheimlich viele Quartiere durch die heutige Bauweise! Es sind hauptsächlich Zwergfledermäuse, die auf unsere Hausspalten angwiesen sind und Breitflügelfledermäuse, die es in der Norddeutschen Tiefebene früher überall gab, in allen Dörfern und kleinen Städten. Aber auch Wasserfledermäuse, Rauhautfledermäuse hängen gern in den Spaltenkästen am Haus und sogar Abendsegler in hohen Häusern (sie nutzen gern Balkonverkleidungen als “natürlichen Nistplatz”. Hier muss bei Sanierung unbedingt Ersatz geschaffen werden.

Der Mangel an Brutraum ist also in unseren Städten das wachsende Problem, das wir, nur wir lösen können und müssen. Dazu kommt mancherorts natürlich auch der Mangel an Insekten, die zur Fütterung der Jungvögel nötig sind. Bei Mauerseglern ist das Problem nicht so gravierend, da sie auch innerhalb eines Tages sehr weit fliegen und eben die Gebiete aufsuchen, in denen noch Mücken und Blattläuse usw. reichlich fliegen. In unseren Camera-überwachten Nistkästen finden wir immer noch jährlich zwei  oder sogar drei Jungvögel vor, dann kann der Nahrungsmangel hier nicht so groß sein. Gravierender ist dies für die Schwalben: ihr Umkreis um das Nest ist nicht so groß wie bei den Mauerseglern, und so ist vielerorts, selbst dort, wo Schwalben geduldet werden, eine Abnahme zu beobachten, der auch auf den Nahrungsmangel zurückzuführen ist. Es stehen eben nicht mehr so viele Pfützen, in denen Mücken aufwachsen! Die Landschaft ist zu aufgeräumt! Im Rheinland geben Kommunen sogar Tausende aus, um die Mücken in der Umgebung zu vernichten. Für Schwalben macht sich dieser Insektenmangel durchaus bemerkbar, Rauchschwalben: sowie das Vieh abgeschafft wurde, machen sich auch die Rauchschwalben von dannen – was sollen sie fangen, wenn nur noch das Auto in der Scheune steht? Dem steht aber eben auch unsere Erfahrung gegenüber, dass wir allein durch das Anbringen zusätzlicher Kunstnester in einer bestehenden Kolonie und die Anlage von künstlichen Pfützen die Zahl der Brutpaare vergrößern konnten –  es sind dann auch plötzlich genügend Insekten da, von denen diese Schwalben leben können – der Erhalt noch bestehender Schwalbenkolonien muss darum unbedingt im Auge behalten werden (siehe Kapitel “Schwalben”) – Der Insektenschwund ist sicherlich zum großen Teil durch die intensive Landwirtschaft hervorgerufen – aber was speziell unsere Stadtvögel betrifft, sind wir Gartenbesitzer gefragt! Wir sind eben auch Schuld am Insektenmangel: Pflegeleichte Kiesgärten mit Bambus oder Koniferen und ein Rasen, der immer genau vor dem Erblühen des Klees oder der Schafgarbe geschnitten wird – das ist doch heute die Gartenrealität, die den Insektenschwund noch wieder vorantreibt. Einheimische Stauden, die blühen und Nektar bieten machen nicht sehr viel mehr Arbeit, vielleicht sogar weniger als ein Rasen, dem ständig mit dem MÄher und dem Moosvernichter zu Leibe gerückt wird. An Blumen leben aber die Raupen, Käfer und Insekten, die unsere Vögel brauchen zur Aufzucht ihrer Jungen, von ihnen fallen die Samen ab, die viele Vogelarten futtern. Und ein Garten, aus dem alles Laub herausgepustet wird mit viel Lärm, bietet einem Rotkehlchen und den Heckenbraunellen auch nichts mehr. Haben Sie schon mal beobachtet, wieviele Hummeln, Bienen und Schmetterlinge sich an einem blühenden alten Efeu sammeln? Doch überall wird Efeu herausgerissen, er ist nicht fein genug. Schmetterlinge und Hummeln vermehren sich besonders gut an warmen Plätzen! Besoonte Blumenbeete, offene Lehm- oder Sandflächen! Vogelfütterung ist gut gemeint, aber viele Vögel brauchen eben nicht nur Sesam und Sonnenblumenkerne, sie ziehen ihre Jungen mit Insekten in allen Stadien auf – die finden sie nicht im Meisenball. Dies gilt vor allem auch für Spatzen, wollen wir sie halten, muss das Umfeld Samen und Insekten bieten – eben einen natürlichen Garten! Es liegt an uns, wenigstens die Siedlungen, unsere Gärten noch “vogelfreundlich” zu gestalten und es nicht einfach auf die Landwirtschaft zu schieben.

Es gilt das Ganze im Blick zu behalten: Blumen/Nektar – Insekten – Vögel/Fledermäuse. Und jedes Tier braucht ein Brutbiotop und ein Jagdbiotop.

 

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3 Comments (+add yours?)

  1. Mikkki
    Feb 11, 2014 @ 17:22:01

    Hi,
    wunderschöne Site und sehr lehrreich. Bin selber in Düsseldorf im Mauerseglerschutz aktiv, und weiss dehalb wovon ich spreche. Tolles Engagement, ich wünsche Euch viel Erfolg.

    Mikkki

    Reply

  2. Ivana
    Jan 11, 2017 @ 13:56:28

    Tolles Engagement. Jeder Mensch ist gefragt. Wir haben den Tieren so viel weggenommen. Es ist an der Zeit wieder zurück zu geben. Jeder sollte etwas geben. Das freut doch sehr die Ergebnisse zu sehen und macht glücklich zu gleich

    Reply

  3. Max
    Oct 17, 2017 @ 19:33:14

    Gute Seite, für mich aber völlig unpassend, gerade auf solch einer Seite, die Werbung von Giftspritzen.
    Aktuelles Problem, Insektenmangel. Von was ernähren sich Mauersegler?

    Reply

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