Ersatz von Mehlschwalbennestern und Anlage einer dauerhaften Pfütze für Schwalben

Über Erfahrungen im Mehlschwalbenschutz verweise ich auch auf die Schwalbenschutz-Dokumentation: http://region-hannover.bund.net/themen_und_projekte/artenschutz_an_gebaeuden/mehlschwalbenschutz_praxisbeispiele/#c154200

Um Mehlschwalbenkolonien erhalten oder erweitern zu können, müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein: Wie bei allen Vögeln: Nahrungshabitat und Bruthabitat müssen stimmen. Es müssen Insekten vorhanden sein, es müssen Hauswände vorhanden sein, an denen die Nester halten und geduldet werden und ganz wichtig: es müssen Lehmpfützen gutes Baumaterial anbieten! Auch bei Anbringung von Kunstnestern ist die Pfütze Anziehungspunkt!

Dazu mehr:

Mehlschwalben finden wir noch dort vor, wo es noch Insekten gibt! Über Gewässern, feuchten Wiesen, Wäldern, Parkanlangen, wenn sie groß genug sind. Nicht überall sind die Nahrungsbedingungen noch gut, darum müssen wir die Standorte, wo sie offensichtlich noch leben können, für den Schwalbenschutz hoch achten und andersherum müssen wir die Leistung der Schwalben auch schätzen: sie halten uns die Mücken vom Leib!

Merhlschwalbe am Nest - KopieNester von Mehlschwalben dürfen selbstverständlich in der Brutzeit nicht abgeschlagen werden – das sollte sich von selbst verstehen (Straftat!). Aber die Nester sind auch nach dem Auszug der Schwalben streng geschützt – ganzjährig! Wer sie beseitigt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, Mehlschwalbennester müssen geduldet werden! Schwalben dürfen auch nicht am Nestbau gehindert werden (z.B. mit Flatterbändern)! Der Anflug zum Nest muss frei gehalten werden!

Mehlschwalbennester neuNach einer Sanierung müssen sie durch Kunstnester ersetzt werden, an gleicher Hausseite, in doppelter Anzahl!  Es reicht nicht zu sagen: sie können ja selbst wieder bauen: die Umweltbedingungen sind heute so, dass es kaum noch offene Lehmflächen gibt, die Feuchtigkeit über mehrer Tage halten, darum verlieren die Schwalben einfach zu viel Zeit mit dem Nestbau, so dass eine Brut nicht mehr zustande kommt – darum die Kunstnester nach der Sanierung! Die Firmen Naturschutzbedarf- Strobel, Hasselfeldt-Naturschutz und Schwegler bieten gute Kunstnester an. Wenn man die neuen Kunstnester etwas mit “Kleckerchen” bemalt, wirken die Nester nicht mehr so neu und werden schneller angenommen.  Anstatt der “Mehlschwalbennester” werden von uns gern “Rauchschwalbennester” angesetzt. Es sind nur Halbschalen, nach oben hin offen: die Mehlschwalben finden so eine gute, haltbare Grundlage vor, können sich das Nest aber selbst noch fertig bauen und sich das Einflugloch gestalten, wie sie es brauchen – wir stellen uns vor, dass dies ihrem angeborenen Bautrieb entgegenkommt.

Achtung ein wichtiger Hinweis: nach einer Fassadensanierung, die mit Wärmedämmung einherging, ist oft der Dachüberstand kleiner geworden: die Mehlschwalben fühlen sich unter dem geringeren Überstand nicht mehr ausreichend vor Wetterunbillen geschützt. In solchen Fällen bauen sie oft ihre neuen Nester anders als zuvor: den Eingang verlegen sie an die Seite (nicht nach vorn) – mit künstlichen Rauchschwalbennestern (oben offen!), die man nach Sanierung ansetzt, bleibt es ihnen überlassen, wie sie die neue Situation für sich verbessern können.

Mehlschwalbennest am BalkenDas Anbringen der Ersatznester bereitet auf sehr starken Dämmschichten Probleme, alternativ kann das Ersatznest (hier ein Rauchschwalbennest) auch an den Dachsparren angeschraubt werden. Dies ist nicht nur leichter zu bewerkstelligen, sondern, die Mehlschwalben können nun das halbfertige Rauchschwalbennest als sichere Unterlage verwenden und in wenigen Tagen zuende bauen. Dann werden sie es so bauen, wie sie es mögen: das Einflugloch kommt an die Seite mit weitem Schutzdach vor ihrem Einflugloch. Das folgende Photo zeigt ein solches Nest gleich im ersten Jahr nach Anbringung des KUnstnestes: man sieht deutlich, wie die Schwalben mit eigenem Material weitergebaut haben und den Eingang ganz hinten an der Wand platziert haben. Alle Nester, die nach diesem Schema angebaut worden waren, wurden exakt so weitergebaut und unter keinem dieser Nester findet man Kotspuren auf der Wand. Der Kot der Jungen fällt nämlich vor der Wand hinab. Hätte man fertige Mehlschwalbennester verwandt, wäre der Eingang vorn gewesen – wie sie normalerweise sind – und die Schwalben wären möglicherweise nicht eingezogen, da das schützende Dach vor dem Einflugloch nun nach der Sanierung mit Dämmplatten zu kurz wäre.

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Rauchschwalbennest an Dachsparren bieten Mehlschwalben eine gute Nistunterlage, die sie dann selbst zuende bauen.

Mehlschwalbennester mit KotbrettWegen des Kotes, den die jungen Schwalben an 10 Tagen ihrer Nestlingszeit über den Rand des Nestes absetzen, haben manche Hausbewohner Probleme mit den Schwalben am Haus. Dagegen gibt es eine Lösung: das Kotbrett.  Es sollte mindestens 60 cm Abstand von den Nestern haben, damit Elstern sich nicht “bedienen” können. Besser aber ist ein größerer Abstand!

Neuansiedlung von Mehlschwalben: Viele Menschen möchten gern Mehlschwalben an ihr Häuschen locken. Das ist schwierig, es gelingt nur dort, wo Mehlschwalben in der Nähe sind, das Umfeld also noch zu stimmen scheint. Man kann zu diesem Zweck Kunstnester an das Haus hängen: Mehlschwalben nisten bevorzugt an der Straßenseite, auf der Hausrückseite nur, wenn es dort Hoffläche gibt oder sehr mageren Rasen, über üppigen Gärten nisten sie nicht! An der Straßenseite entsteht über dem Asphalt oder den Steinen mehr Wärme, was die Mehlschwalben als ehemalige Steppenbewohner sehr schätzen. Die Hauswand sollte frei von Kletterpflanzen sein und gut sonnenbeschienen sein. Auch ein Baum vor dem Haus wirkt für Schwalben häufig störend. Es muss ein ausreichender Dachüberstand vorhanden sein (15 cm mind.,besser mehr) und ganz wichtig: sehr anlockend wirken Lehmpfützen! Wenn man nicht mehr über eine Pfütze auf der Auffahrt oder am nahgelegenen Weg verfügt, sollte man eine künstliche Lehmpfütze anbieten, die nicht zu nah an Sträuchern liegt (Angst vor Katze). Selbst wenn man Kunstnester anbietet, wirkt einfach das Vorhandensein von kleinen Wasserflächen (z.B. auch eine künstliche Lehmpfütze auf der Garage) verlockend für Schwalben. Ein guter Trick, damit Nester schneller angenommen werden ist: die Kunstnester an der Vorderseite mit kleinen Kleckerchen zu bemalen, so als sei es schon mal bewohnt gewesen!

Nisthilfen fuer Schwalben an einer Giebelwand, LangenhagenDiesen Hausbesitzern ist die Neuansiedlung von Mehlschwalben mit dieser einfachen Lösung gelungen: Schwalben flogen herum, der Hausgiebel liegt frei an der Straße und der Parkplatz vor dem Haus ist nicht völlig versiegelt!

Uns ist es mehrfach gelungen, ganz kleine “Kolonien” von zwei Nestern z.B. allein mit dem Aufhängen von Kunstnestern schnell zu vergrößern!  Hinzu kommt das Anlegen von Lehmpfützen.

A und O des Mehlschwalbenschutzes sind Wasserpfützen mit Lehm, sowie sie vorhanden sind, siedeln Mehlschwalben an (darum sind sie leider auch so gern in Neubaugebieten) Wir konnten Mini-Kolonien schon allein durch Anlage einer Pfütze innerhalb eines Sommers vergrößern! In einem Fall von 3 Nestern auf 20! Eine Pfütze zu erhalten bedeutet ständiges Nachgießen. Darum hat unser Mitglied Uwe Vahldieck eine dauerhafte Pfützenanlage erfunden:

Anlage einer dauerhaften Mehlschwalbenpfütze

Die Grundüberlegung für den Bau einer Anlage war, den Schwalben eine Pfütze zu Verfügung stellen, die unabhängig vom Regen möglichst lange feucht gehalten wird, ohne sie jeden Tag bewässern zu müssen, denn durch die Verdunstung fallen Pfützen schnell trocken. In 2015 wurde eine solche Anlage erstmalig für ein Garagendach vom Wohnungsbauunternehmen Gundlach, Hannover entworfen und aufgestellt. Im Vorfeld wurden Versuche im kleineren Maßstab durchgeführt.

Standort

Das betreffende Garagendach befindet sich direkt neben der Koloniewand im Röhrbeinweg, Ahlem im Blickfeld der Kolonie. Der Standort bietet den Schwalben den benötigten freien Anflug auf die Anlage, die Fläche ist einsehbar und es gibt keine störendenden Gehölze im Anflugbereich. Die Nutzung von Dachflächen als Pfützenstandorte ist unter Schwalbenexperten bekannt. Anzumerken ist, dass sich in anliegenden Straßen weitere kleine Mehlschwalbenkolonien mit insgesamt 20 Naturnestern befinden, die hier eine neue Möglichkeit erhalten, Baumaterial zu entnehmen.

Funktionsprinzip der Anlage:

Die Anlage funktioniert nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren. Sie besteht aus zwei Behältern, einem abgedeckten Wasservorratsbehälter, einem Behälter mit der Schlammpfütze und einer Schlauchverbindung. Wird der Schlammpfütze durch die Verdunstung Wasser entzogen, dann fließt Wasser aus dem Vorratsbehälter automatisch nach, da sich die Wasserspiegel ausgleichen. Jetzt sinken zwar beide Wasserspiegel, aber deutlich langsamer. Dadurch steht den Schwalben das benötigte breiige, plastische Baumaterial wesentlich länger zur Verfügung und sie können wetterunabhängig ihre Nester bauen.

Der Vorratsbehälter erhält eine Abdeckung, um die Wasserverdunstung zu verhindern. Die Abdeckung ist außen mit einer umlaufenden Aufkantung und mit einer Bodenöffnung ausgestattet. Hierdurch wird bei Regen der Behälter wieder aufgefüllt. Indem der Regen auf zwei Behälter fällt, steht die doppelte Menge Regenwasser wieder zur Verfügung. Das durch Regen aufgefüllte Wasser braucht dann nicht per Hand nachgefüllt zu werden. Unter günstigen Wetterbedingungen hat die Anlage eine fast autarke Wasserversorgung.

Betrieb und Ergebnis

Der Schlammbehälter wurde mit Ton, Lehm und Mergel befüllt. Die Anlage wurde mit ca. 200 l Wasser aufgefüllt und ging am 15.04.215 in Betrieb. Sie wurde bis heute 29mal kontrolliert. Dabei wurden Daten gemessen und notiert. Die Messungen werden weitergeführt. Die Inbetriebnahme sowie Betriebszustände der Anlage wurden durch Fotos dokumentiert.

Während der gesamten Zeit war, und ist der gewünschte breiige, plastische Bodenbereich neben dem Pfützenwasserspiegel in einer Breite von ca. 10 -30 cm vorhanden. Der Wasserspiegel in der Pfütze senkt und hebt sich. Die Wasserspiegel ist außerhalb der Pfütze (im Behälter) und innerhalb der Pfütze in etwa gleich hoch. Das bedeutet, die Anlage verstopft nicht, alle Wasserwege sind frei und die Pfütze wird kontinuierlich mit Wasser versorgt.

Vom 3.Mai an bis zum 19.Juni 2015 gab es in Hannover keinen nennenswerten Niederschlag, die max. Temperaturen auf dem Dach lagen bei 42 Grad, entsprechend war die Verdunstung sehr hoch. Während dieser Zeit wurde die Anlage zweimal mit Wasser nachgefüllt (40 l und 56 l Wasser). Während der übrigen Zeit im Jahr befüllte sich die Anlage durch die Niederschläge selber. Während Starkregenereignissen sprang der Notüberlauf an und führte sedimentfreies Wasser ab. Die Anlage ist wasserdicht.

Ergebnis: Die Anlage funktioniert wie geplant.

Abb.1

Abb.1   Pfütze am 27.04.15

Abb.2

Abb.2     Pfütze am 25.06.15     nach 7-wöchiger Trockenheit

Abb.3

Abb.3     Pfütze am 07.07.15, es hat wieder geregnet

Technische Zusatzinformationen:

  • Die Behälter haben eine Größe von 1 x1 m und sind 25 cm hoch.
  • Der Schlammbehälter besteht aus einer äußeren, geschlossenen Wanne und einer inneren Wanne, die an den Außenwänden und unter den asenkrecht eingesetzten Rohren durchlöchert ist. Die innere Wanne ist mit Filtervlies ausgelegt, auch die Rohre sind mit Vlies umwickelt, so wird verhindert, dass das schlammige Material den Zufluss verstopft. Das Lehm-Gemisch wird modelliert, so dass bei jedem Wasserstand trockene Plätzchen und feuchte zur Verfügung stehen.
  • in dem Lehm stehen zwei senkrechte, durchlöcherte Rohre, die eine größere Wassermege in das Lehmgemisch einführen, wenn es mal nach längerer Trockenheit stärker regnet.
  • Der Schlammbehälter wiegt ca. 250 kg. Zu beachten ist hier, dass die Gebäudestatik nur eine begrenzte zusätzliche Dachauflast zulässt.
  • Die Dachhaut des Daches darf durch eine Punktbelastung der Anlage nicht beschädigt werden. Mit einer Schwerlastmatte wird dies verhindert.
  • Die Behälter bestehen aus witterungs- und UV-beständigen, wasserdicht verschweißten PE-HD Platten und wurden von einer Fachfirma hergestellt.
  • Die Anlage Bedarf trotz der Autarkie einer gelegentlichen Kontrolle.
  • Die Materialkosten der Anlage betragen ca. 700 bis 800 Euro.

Skizze:

skizze-lehmpfutze

Die Anlage wurde erfunden und wird betreut von Uwe Vahldieck.

Inzwischen haben wir schon mehrere dieser Pfützen erfolgreich in Betrieb, auch in weit größerem Maßstab.

1 Comment (+add yours?)

  1. steffen d
    Feb 12, 2016 @ 13:53:07

    Endlich mal eine nützliche Seite.

    Reply

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